Reitstunden in den Ferien
Nur eins geht nicht: Pferde ausleihen wie Mietwagen. Da ist Wolfgang Marlie eigen. Was möchten Sie erreichen, wenn Sie reiten? Ohne diese Frage kommt ihm keiner davon. Wer brillieren will, fällt durch. Mehr Frauen als Männer mögen das Gefühl der Stärke, mehr Männer als Frauen genießen es, sich aufzuspielen. "Man hört es oft in den Ställen", sagt er: "Mach keine Zicken, Du tickst wohl nicht richtig ... Beschimpfungen, die noch keinem Pferd etwas gelehrt haben."

Alle Reiter lernen, mit Schenkeldruck, Gewichtsverlagerung, Zügelhilfen zu arbeiten. Trotzdem macht jeder seins draus. Wir üben erst die Anfänge: Die eigene Art, "Hüh" zu sagen, wie Frau Reger das nennt. Dabei vergisst sie nie, auf mitgebrachte ängste einzugehen: Woran könnte es liegen, dass etwas passiert, wie ließe sich das vermeiden ... Das Pferd hat nichts gegen uns, wenn es nicht tut, was wir möchten: Es hat uns nicht verstanden, braucht noch einen Moment zum überlegen, ist körperlich nicht dazu in der Lage, oder hat Angst. In den meisten Fällen haben wir uns unklar ausgedrückt. Ordentlich putzen können wir schon. Glänzendes Fell und sauber ausgekratzte Hufe gelten bei Frau Reger jedoch nur als Nebeneffekt unserer Bemühungen in der Box. Hauptsächlich pflegen wir Kontakt zum Pferd und lernen, es sicher auf kleinstem Raum von A nach B zu manövrieren. Seither bin ich mit dem Schimmel Merlin befreundet, und schaffe es mühelos, ihn zum Striegeln zu wenden. Schieben ist zwecklos bei seiner Pferdestärke. Aber treiben, schnalzen, Raum erobern und loben erfordert keinen Kraftakt, bloß ein Antippen mit dem Finger.

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