Reitstunden in den Ferien
Am Ende dieser Woche werde ich versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu bedenken und zu koordinieren. Zur Demonstration kreist Frau Reger mit einer Hand auf dem Bauch, klopft mit der anderen auf den Kopf, stellt sich dabei auf ein Bein und pfeift: "so etwa ist das auch beim Reiten!"

Petra und Christine erzählen von früheren Reitstunden. Was wir hier praktizieren, kam darin nicht vor. Da hieß es eher: Hacken runterdrücken, mehr treiben, zerren, notfalls schimpfen, Reiten strengt an; Blut, Schweiß und Tränen gehörten scheinbar dazu. Auf dem Hof von Wolfgang Marlie dagegen wirken alle völlig entspannt. Seine unkonventionelle Schule legt keinen Wert auf starre Vorschriften; sie vermittelt Inhalte, die wir spielerisch ausprobieren: Wie stellt man die Harmonie her, die Reiter und Pferd gleichermaßen beflügelt? Verstehen, Vertrauen und Respekt, den ersten Schritt muss jedenfalls der Mensch tun. So macht Reiten glücklich. Nicht nur uns Anfängerinnen zwischen Dreißig und Ende vierzig. Die jüngste Nutznießerin ist gerade acht. Die älteste, eine 82-jährige Dame, reitet seit Jahrzehnten, gönnt sich Ferien mit Marlies Lektionen und berichtet der abendlichen Runde im Kaminzimmer von den überraschungen des Tages. Unser Kurs läuft neben dem individuell organisierten Programm, das Gäste mit und ohne mitgebrachtes Pferd in der Reiterpension absolvieren.

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