Allein für dieses Aha-Erlebnis verdient Sascha drei Hufeisen, außerdem für seine Höflichkeit und für alle weiteren Tips, die ich mir tief in mein Reiterhirn einpräge.
Das gilt auch fürs Aussitzen. Andere Reitlehrer sagen: „Machen Sie sich mal schwer im Sattel." Sascha erklärt: „Der Trab ist kein Auf und Ab, sondern wie der Schritt eine rollende Bewegung. Bei jedem Trabschritt rollst du dein Becken mit den Bauchmuskeln zum Nabel und dann wieder nach hinten."
Mein Becken rollt fleißig zum Nabel und wieder zurück
Ich kreise die Hüften, und es hilft: Oberkörper und Beine bleiben ruhig, mein Becken verschmilzt zu einer Einheit mit Junioras Rücken. So vergeht der Unterricht - eine Sitzschulung par excellence: Sascha arbeitet konzentriert mit mir genau daran, worum ich ihn gebeten hatte.
Auch die schwarze Juniora arbeitet brav mit. Geduldig läuft sie ihre Bahnen, ist nur über Stimme zu regulieren und gibt mir die Möglichkeit, auf meinen Sitz zu achten. Dafür bekommt auch sie drei Hufeisen.
Weitere drei Hufeisen gebe ich der gepflegten Anlage mit Halle, großen, hellen und halbhohen Boxen sowie Außenplatz in Ostseenähe. Die Pferde dürfen jeden Tag auf die Weide: Wolfgang Marlies' 13 Schulpferde waren ausnahmslos Problemfälle, die er wie Juniora zum Reitpferd ausbildete. Jedes ist nun sicher mit Sidepull zu reiten. Trensenzügel bekommt bei Marlie nur der Reiter in die Hand, der schon balanciert sitzen kann. Pensionsboxen gibt es keine; Marlie benötigt den Platz für Kursteilnehmer. 31 Euro kostet die Einzelstunde bei Sascha, der auf dem Hof aufgewachsen ist und hier für seine Ausbildung zum Pferdewirt praktische Erfahrungen sammelt. Das ist ein angemessener Preis für hervorragenden Unterricht auf einem feinen Schulpferd in dieser Oase fernab öden Reitschulalltags: drei Hufeisen für das Preis-Leistungs-Verhältnis.
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