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Reiterhof Marlie

Unser Rundschreiben zum Jahreswechsel

Für alle unsere Gäste, die unser Weihnachtsbrief per post nicht erreicht hat, weil zum beispiel einige Adressen nicht mehr aktuell waren:

Sie halten diesen Brief in den Händen, weil Sie ein Teil von uns und der Reiterpension Marlie geworden sind. Sie haben mitgewirkt, die Reiterpension Marlie zu prägen und zu dem zu machen, was sie heute ist.

Meine Beobachtung ist, dass Menschen im älter werden entweder immer verbitterter oder immer heiterer, gelassener und weiser werden. Von der Weisheit bin ich noch sehr weit entfernt, aber mit der Heiterkeit und der Gelassenheit geht es mächtig voran. Ich würde mich freuen, wenn Sie Lust hätten, sich selber davon zu überzeugen.

Jetzt möchte ich gerne in einigen Sätzen andeuten, wie es dazu gekommen ist:
„Der Mann, der ist der Kopf, nach ihm muss alles gehen.
Die Frau, sie ist der Hals, sie weiß den Kopf zu drehen.
Wer sich den Kopf drehen lässt, erweitert seinen Horizont!“

Als Mann, der von Kindheit an fast ausschließlich von Frauen umgeben war, fiel mir irgendwann auf, dass diese offensichtlich in manchen Bereichen doch etwas anders tickten, als ich es tat. Als ich dann noch entdeckte, dass selbst bei Pferden deutliche Unterschiede in den Verhaltensmustern bei männlichen und weiblichen Tieren erkennbar waren, stand für mich fest: Diese Unterschiede waren genetisch bedingt. Durch Beobachten und Nachdenken kam ich zu der Überzeugung, dass mein männlich rationaler Verstand für die Bewältigung des Alltags oft weniger hilfreich war, als der weiblich intuitive Verstand meiner Frau. Um meine Defizite als Mann geschickt durch weibliche Unterstützung kompensieren zu können, beschloss ich daraufhin, ein Frauenversteher zu werden.

Eine Frau kann mit ihrer generell lebenstüchtigen weiblichen Intelligenz zwar fühlen, dass mit der männlichen Ratio kein großer Nutzen zu erzielen ist, aber sie kann es nicht begründen. Ein Mann kann mit seiner sehr speziellen Intelligenz seine relative Nutzlosigkeit erklären. Nämlich: Männer haben den Mond erobert, aber ein weinendes Kind zu trösten überfordert sie. Das wollte ich ändern, denn ich hatte verstanden, dass ein hoher IQ einen nicht davor schützt, ein emotionaler Trottel zu sein.

Einen großen Einfluß darauf hatte sicherlich seit 25 Jahren eine weiblich sensible Silke Reger, die mich darin unterstützt hat, in meinen ursprünglichen Standpunkten langsam verrückt zu werden. Wenn ich im Umgang mit den Pferden mal wieder unbemerkt vom Ehrgeiz in den Klauen gehalten wurde, holte sie mich mit der vorsichtigen Frage: „Und wozu war das jetzt gut?“ im wahrsten Sinne des Wortes von meinem hohen Ross herunter, auf das ich mich gerade verstiegen hatte.

Auf meinem Weg zum Frauenversteher habe ich gelernt, auch den Pferden mehr ins Herz zu sehen. Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir wieder bewusst, was mich vor 50 Jahren zu den Pferden zog: Es war immer mein Wunsch, mich mit einem Pferd zu verbünden um mit ihm gemeinsam stark zu sein.

Durch Nichtwissen, Missverständnisse und unglückliche Vorbilder wurde daraus oft unversehens ein Kampf gegen das Pferd. Immer noch mit dem Kopf eines Mannes und mehr und mehr mit den Augen einer Frau, ist mein Jugendtraum zu einem vermittelbaren Weg und gleichzeitig zum Ziel geworden.

Bei Kerzenschein, Kaminfeuer und Weihnachtsstollen ist mir warm ums Herz, während ich gedanklich die Zeit seit meinem letzten Rundbrief vor sieben Jahren zurückverfolge. Ich hatte diesen Brief damals mit folgender Erkenntnis für mich beendet:

Gutes Reiten ist „wie von Zauberhand bewegt“

Heute, sieben Jahre später, ist diese Erkenntnis nicht nur für uns, sondern auch für viele unserer Gäste glückliche Realität geworden. Aus den unzähligen Rückmeldungen möchte ich auszugsweise aus zwei Briefen zitieren, die mich – so wie viele andere – sehr berührt haben:

„ … ich muß mich unbedingt melden und Ihnen kurz berichten, wie glücklich ich bin. Zuhause angekommen, habe ich gleich mit meinen beiden Pferden, das bei Ihnen gelernte ausprobiert.
Was soll ich Ihnen sagen – es war sensationell. Meine Stute ist konzentrierter, reaktionsschneller, spritziger, egal ob vorwärts, rückwärts oder seitwärts. Alles bekommen wir hin, ohne ewiges Drücken oder Ziehen meinerseits. Sie haben es mir ermöglicht, die Idee in meinem Kopf Wirklichkeit werden zu lassen: „Freude am Training für mich und mein Pferd.“

Ich weiß, dass ich am Anfang stehe und eigentlich nichts weiß. Und doch mit der vielen Information und der praktischen Arbeit bei Ihnen so viel erreichen kann. Ich komme wieder und wir werden dort fortfahren, wo wir aufgehört haben. Liebe, liebe Grüße…“

„ … ich habe gerade das Bedürfnis, Ihnen mitteilen zu müssen, wie positiv sich die einschneidenden Erkenntnisse, die ich bei Ihnen gesammelt habe, auf die Beziehung zu meinem Pferd ausgewirkt haben. Aus meinem „kleinen Angsthasen“ ist ein Pferd geworden, das vertrauensvoll alle ihm gestellten Aufgaben bewältigt und sich dabei ganz gelassen und mutig zeigt. Alle damaligen „Probleme“ haben sich in Luft aufgelöst und ich bin so unglaublich glücklich über diese tolle Beziehung. Gerade heute sind wir über die herrlichen Stoppelfelder geritten wie „von Zauberhand bewegt“. Danke für die vielen Denkanstösse und ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen im Tal der Magie…“

Meine Gedanken ziehen weiter…

…inspiriert durch die Vorweihnachtszeit habe ich plötzlich ein Gefühl, als wäre das Christkind begegnet – ohne dass es erkennen konnte: Unerkannt hatte es in der Gestalt einer fremden Dame eine Reitstunde gebucht.

Es war seine Stunde. Nie hatte er eine Unterweisung bekommen, wie man freundlich und zuvorkommend mit neuen Gästen umgeht. Er war einfach glücklich, dass er bei uns in Klingberg auf unserem Reiterhof bei „seinen“ Pferden und zusammen mit pferdebegeisterten, urlaubsfrohen Menschen ein zweites Zuhause gefunden hatte. Seine stille, bescheidene, freundliche, rücksichtsvolle Art, die er schon als Gäste-Kind in vielen Urlauben als markanten Wesenszug offenbart hatte, paart sich heute in dem von ihm gestalteten Reitunterricht mit einer klaren, kraftvollen Bereitschaft, praktische Verantwortung und liebevolle fürsorgliche Führung für Menschen und Pferde zu übernehmen.

Ich spreche von Sascha. Er ist 20 Jahre alt und seit 2 ½ Jahren Mitglied in unserem Marlie-Team. Selten wurde jemand so wie er in die Herzen aller Team-Mitglieder und Gäste aufgenommen. Deshalb konnten wir uns alle riesig für ihn freuen, als im Juli diesen Jahres jemand ganz aufgeregt mit der neuen Ausgabe der „Cavallo“ in der Hand herbeigestürmt kam: „Habt Ihr schon gelesen? Wir sind in der „Cavallo“ im Reitschul-Test! Wir haben in allen Kategorien die höchste Punktzahl bekommen!“

Tatsächlich waren wir und Sascha, ohne unser Wissen, Testobjekte einer bis heute nicht wirklich identifizierten Dame. Sascha brauchte nur er selbst zu sein, um die Lobeshymnen für seine besondere Zuvorkommenheit und große Fachkompetenz als Reitlehrer in der Zeitung lesen zu können. Seine Authentizität hat überzeugt. Sascha repräsentiert schon in seinen jungen Jahren meine Idee vom Reiten – wie von Zauberhand bewegt – in hohem Maße.

Ich wünsche mir, dass die Reiterpension Marlie auch in Zukunft mein Weg und mein Ziel bleibt, um mit möglichst vielen Gleichgesinnten im vertrauensvollen, anregenden, respektvollen Miteinander mit Pferden umzugehen – wie von Zauberhand bewegt.

In diesem Sinne hoffe ich auf ein baldiges Wiedersehen und würde mich freuen diesen Weg mit Ihnen gemeinsam weiter zu gehen.

Ihre Wolfgang und Kari Marlie

keine(r)

Aktualisiert am Freitag, 24. Juli 2009
Kategorie Wolfgang Marlie - persönlich

Ein Kommentar

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  1. Kommentar von Sabine Erich:

    Liebe Frau Marlie, lieber Herr Marlie, liebe Frau Reger, lieber Sascha,

    ich lese mir gerade Ihr Schreiben durch und bin am Schmunzeln über die eine und andere “Redewendung” von Ihnen, Herr Marlie. Wie Sie wissen, bin ich erst seit kurzem Ihre “Schülerin” und so froh, Sie gefunden zu haben.

    Erste Erfahrungen, die ich vor wenigen Monaten in meinen ersten Stunden mit dem Reitenlernen gemacht hatte, haben mich darin bestärkt, dass das Reiten für mich nichts ist. Im Gegenteil, meine Angst wurde von mal zu mal greifbarer. Heute bin ich froh, dass ich es noch nicht aufgegeben habe.

    Ich fühle mich bei Ihnen so richtig wohl und hoffe, dass ich noch ganz oft zu Ihnen kommen werde, ich muss noch so viel lernen! Sie sprechen mir aus dem Herzen und was Sie über Sascha schreiben, kann ich nur unterstreichen, er ist höflich und sensibel, ein so angenehmer junger Mann, der für Ihren Betrieb eine Bereicherung sein muss.

    Ich mache auf jeden Fall weiter und hoffe, dass ich eines Tages dazu gehören werde….

    Herzlichst, Ihre Sabine Erich

    Sonntag, 21. Mai 2006 @ 10:48

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